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Der neue Bischof von Fulda: Ein Mann, den die Welt braucht?

Lebhafte Diskussion mit Schülerinnen und Schülern

 

Auf dem Foto: Die Teilnehmer*innen gemeinsam mit der Schulleitung, Herrn Bertram Fenderl und Bischof Dr. Gerber

Bei seiner Amtseinführung bezeichnete Bischof Dr. Gerber die Aufarbeitung des Missbrauchs als eine der „ganz großen Baustellen“ für die heutige Kirche. Außerdem ist er dafür bekannt, dass er den Kontakt mit jungen Menschen schätzt und sucht.

"Missbrauchsfälle in der katholischen Kirche“ – so lautete das Thema unseres ersten Halbjahres im Religionsunterricht. Wir beschäftigten uns intensiv mit der jüngsten MHG-Studie, erstellten Präsentationen (z.B. über Täter- bzw. Opferprofile, Ursachen, Folgen, Auswirkungen auf die Kirche und die Gesellschaft, Präventionsmaßnahmen und Missbrauch allgemein) und recherchierten die Geschichten der Opfer. Das Thema ist nicht nur aktuell, sondern auch sehr emotional, daher kann man sich sicher vorstellen, wie intensiv diese Stunden oft für uns waren. Wir waren geschockt über das Ausmaß, empfanden Mitleid für die Opfer, Wut gegenüber den Tätern und des Öfteren auch Unverständnis. Unverständnis für manche Aussagen oder Handlungen der Kirche. Am Ende hatten wir zwar viel über dieses Thema gelernt, doch jeder von uns hatte viele neue Fragen im Kopf.

Im Dezember schrieb Dr. Michael Gerber anlässlich seiner Ernennung zum Bischof von Fulda einen offenen Brief an alle Katholiken, in dem er sich bei vielen Menschen herzlich bedankte, sich von den Freiburgern verabschiedete und gleichzeitig seine Freude auf neue Begegnungen in Fulda ausdrückte. Dieser Brief brachte unseren Religionslehrer Herr Fenderl auf eine Idee: Jedem von uns wurde aufgetragen, ein persönliches Antwortschreiben verfassen, in welchem wir auch auf die Missbrauchsfälle eingehen und unsere eigene Haltung zur Kirche und zur Religion darstellen sollten. Ich muss gestehen, dass meine Motivation dazu erst eine eher mäßige war, da ich es mir schwierig vorstellte, einem Bischof meine mehr oder weniger kritische Haltung darzustellen. In der Praxis war das dann eigentlich doch nicht so schwer, denn ich schrieb meinen Brief unter dem Motto „ehrlich währt am längsten“. Herr Fenderl schickte die Briefe ab und ich dachte, damit wäre die Sache erledigt, denn ein Bischof hat zu viel zu tun, um so viele Briefe zu lesen, geschweige denn, auf sie in irgendeiner Form zu reagieren. Doch da hatte ich mich geirrt. Der Bischof hatte nicht nur jeden einzelnen der 40 Briefe gelesen, sondern erklärte sich bereit, uns in Hanau zu besuchen, um auf die Briefe einzugehen, unsere Fragen zu beantworten und ins Gespräch zu gehen. Donnerwetter, da war ich ja mal gespannt. Zu viel erwartete ich mir von dem Gespräch allerdings nicht, ich rechnete mit einer Art Predigt darüber, wie toll die Kirche und wie unberechtigt die Kritik an ihr sei.

Der 23.05.2019 kam und damit der Tag, an dem der Bischof ankommen sollte. Zur ersten Stunde trafen sich die katholischen Schülerinnen und Schüler der Oberstufe im Filmsaal, ausgerüstet mit Zetteln voller Fragen, die sie dem Bischof stellen wollten. Nachdem dieser mit seinem Begleiter Herrn Greif (welcher selbst zwei Jahre lang Religionslehrer an unserer Schule war) von Frau Galetzka und Frau Becker begrüßt worden war, kamen die vier in den Filmsaal, wo wir Schüler zusammen mit Herr Fenderl und weiteren Religionslehrern in einem Stuhlkreis sitzend gespannt warteten. Nachdem Herr Fenderl ein paar freundliche Worte zur Begrüßung verloren und sich alle in Fenderl-Theater-Manier vorgestellt und die Hand geschüttelt hatten, ergriff Bischof Dr. Michael Gerber das Wort. Er erzählte uns, dass am selben Abend seine Tour durch das Bistum anlässlich der 72-Stunden-Aktion beginne und er sich freue, uns vorher noch treffen zu können, da ihn unsere Brief-Aktion sehr berühre. Er sprach davon, wie wichtig es ist zu beobachten, dass Überzeugungen nicht nur durch Unterricht und Predigten entstehen, sondern dass persönliche Erfahrungen maßgeblich daran beteiligt sind und unsere Briefe erkennen lassen, woher unsere Haltungen kommen und dass sie Aufschluss darüber geben, was die Kirche noch ändern oder verbessern kann. Weiterhin betonte er die Wichtigkeit ehrenamtlichen Engagements, ohne welches ein Mangel an Zusammenhalt entsteht und welches uns selbst so viel gibt, weil wir Menschen helfen können.

Dann wendete er sich dem Thema Missbrauch zu. Er erklärte, dass die Kirche in Menschen investiert, damit sie wachsen. Dass sie ihnen etwas mit auf den Weg geben, etwas in den Menschen bewegen und sie auf ihren individuellen Weg bringen will und dass Missbrauch an der Kernaussage der Kirche rüttelt. Anschließend erzählte uns der Bischof etwas aus seiner jüngsten Vergangenheit. Ihm fiel es nicht leicht, Freiburg, die Menschen und die Projekte dort zurückzulassen. Er wollte sich von all jenen verabschieden, mit denen er verbunden war und schrieb den Brief, um nicht „einfach plötzlich weg“ zu sein, was ich persönlich sehr sympathisch finde, denn manche Leute hätten das angesichts ihrer neuen, hohen Position nicht für nötig erachtet, doch ihm scheinen die Menschen wirklich am Herzen zu liegen. Genauso die Projekte, mit denen er etwas verbessern und vorantreiben wollte. Er informierte sich in seiner neuen Heimat Fulda noch vor seinem Amtsantritt genau über die dortigen Präventionsmaßnahmen und Missbrauchsfälle, um über alles Bescheid zu wissen. Er berichtete von Missbrauchsfällen, mit denen er selbst zu tun hatte, über die Täter, die Opfer und die Maßnahmen, die ergriffen wurden. Man hat gespürt, dass ihn diese Fälle tief getroffen haben und er alles in seiner Macht Stehende für die Opfer getan hat. Ein weiterer spannender Punkt, auf den er dann zu sprechen kam, ist die Priesterausbildung. Ich für meinen Teil dachte immer, dass die Kirche auf Grund des Priestermangels jeden Bewerber mit Handkuss akzeptiert, doch die Realität sieht anders aus. Vor und auch während der Ausbildung werden die Anwärter psychologisch betreut und begutachtet. Kürzlich wurden von zehn Bewerbern nur fünf angenommen und auch während der Ausbildung werden Männer, deren Charakter Schwächen aufweist oder deren Verhalten suspekt ist, aussortiert. Der Bischof beschrieb die psychologischen Hintergründe genau und wirkte mit seinen wissenschaftlichen, logischen Argumenten modern und aufgeklärt – gar nicht so, wie ich mir einen Bischof vorgestellt hatte und ich muss sagen, dass ich ihn dafür bewundere, wie er mein Bild eines weltfremden, die Wissenschaft verachtenden Geistlichen zerstört hat. Wirklich, es war extrem interessant zu hören, wie sehr die Kirche darauf achtet, nur Menschen ins Amt des Priesters zu führen, die diesem charakterlich, sozial und psychisch auch gewachsen sind. Genauso neu für mich und nicht weniger spannend waren seine Schilderungen darüber, wie die Kirche hinsichtlich der Missbrauchsfälle arbeitet. Das erfreuliche daran war nicht nur, dass es z.B. Präventionsbeauftragte, Missbrauchsbeauftrage, Rechtsbeauftrage und Psychologen gibt, sondern dass Frauen in vielen dieser Positionen eingesetzt sind. Hier hat der Bischof durch seine Erzählungen deutlich gemacht, wie wichtig Frauen in der Kirche sind und dass es deren Stellung in der Kirche noch zu verbessern gilt. Danach erläuterte er das Problem, dass Missbrauch in der heutigen Gesellschaft weit verbreitet ist und nicht nur die Kirche dagegen ankämpft, diese aber wegen ihrer Moral und ihres Auftrages eine wesentlich höhere Fallhöhe hat und gerade dort der Missbrauch noch schwerer wiegt, als er es ohnehin schon tut.

Nachdem er uns so detailreich viele Fragen, die in den Briefen schon vorgekommen sind und die er sich vorher notiert hatte, beantwortet und uns einen Einblick in seine Ansichten und seine Art zu arbeiten gegeben hatte, durften wir ihm unsere neuen Fragen auf unseren Zetteln stellen. Ich bin wirklich begeistert davon, wie er damit umgegangen ist. Wie zu erwarten war, waren viele dieser Fragen eher kritischer Natur und viele Wege der Kirche, Dinge zu handhaben, wurden in Frage gestellt. Bischof Gerber hat sich jede Frage angehört und diese ausführlich und ehrlich beantwortet. Berechtigterweise könnte man jetzt fragen, woher ich wissen will, dass es ehrlich war. Dazu kann ich nur sagen, dass dieser Mann eben nicht der verblendete Scheinheilige ist, den man sich vielleicht vorstellt. Er ist meiner kurzen Beobachtung entsprechend so reflektiert, wie ein Mensch nur sein kann. Einen Mann Gottes wie ihn, der einsieht, dass das Zölibat so, wie es gerade existiert, keine Zukunft hat und der versucht, seine Umgebung dafür zu sensibilisieren und zum Umdenken anzuregen und der dabei trotzdem auch mit Vorurteilen gegenüber dem Zölibat aufräumt und mit seiner persönlichen (positiven) Erfahrung untermalt – so jemanden brauchen wir in der Kirche.

Einen Mann Gottes, der sich für die Frauen einsetzt und auch der Meinung ist, dass Menschen Homosexuelle nicht als krank, sondern als natürlich ansehen sollten – so jemanden brauchen wir in der Kirche.

Einen Mann Gottes, der seine Kirche immer wieder kritisch hinterfragt und sich fragt, wo man anpacken und etwas verbessern kann und der auch sagt, dass viele gute Reformen durch Anstöße von außen kamen – so jemanden brauchen wir in der Kirche.

Wer mich kennt, weiß, dass ich die Kirche in den meisten Punkten nicht verstehe und sie stark kritisiere, doch ich muss ganz ehrlich sagen, dass ich an dem Gespräch mit Bischof Gerber nichts kritisieren kann. Ich war von seiner Art, seiner erfrischend modernen Einstellung aufs Positivste überrascht und ich hoffe sehr, dass es viele weitere Menschen wie ihn in der Kirche gibt.

Nachdem der Bischof all unsere Fragen beantwortet hate, erklärte er uns, dass er die Briefe behalten und versuchen werde, mit deren Hilfe Lösungs- oder Reformansätze zu finden. Er betonte noch einmal die Wichtigkeit der persönlichen Erfahrungen der Menschen und wie viel die Kirche daraus lernen kann und gab jedem von uns die Möglichkeit, seinen oder ihren Brief zurückzunehmen, wenn man ihn nicht im Besitz des Bischofs lassen möchte (was allerdings keiner genutzt hat). Er bedankte sich erneut für die Briefe und das Gespräch. Am Ende wurde noch ein Gruppenbild (und ein paar Selfies mit dem Bischof) gemacht und dann war der Besuch vorbei.

Ich bin nun zweimal positiv vom Bischof von Fulda überrascht worden und ich hoffe, dass er sich treu bleibt und uns alle weiterhin positiv überraschen wird.

(Bericht: Lena Starke - 12. Klasse Berufliches Gymnasium)

Auf dem Foto: Bischof Dr. Gerber eingerahmt vom Schulamtsdirektor des Bistum Fulda Herrn Andreas Greif und der Schulleiterin der KSH Frau Claudia Galetzka

Auf dem Foto: Der Schulamtsdirektor des Bistum Fulda Herrn Andreas Greif, Schulleiterin der KSH Frau Claudia Galetzka, Bischof Dr. Gerber, Abteilungsleiterin des Beruflichen Gymnasium Frau Garnet Becker, Religionslehrer und Initiator des Bischofsbesuchs Herr Bertram Fenderl

 

 

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